Die oft wegen ihrer unschlagbaren Wespentaille mit neidischen Blicken beäugte Vorzeige-Perfektionistin der Vb hat mir ganze 5 Jahre des oft qualvollen Schulalltages wenigstens ein bisschen versüßt. Sandra fiel weniger durch lautes und provokantes Verhalten während des Unterrichts auf (das sparte sie sich für unsere Freizeit J), sondern war dort immer eher ruhig und nachdenklich und widmete sich oftmals ihrer kleinen Sucht dem SMS-Schreiben. Ob vor, während oder nach der Stunde, man konnte sich stets sicher sein, ihr geliebtes Kommunikationsgerät entweder in ihren flinken Händchen oder in ihrer Federschachtel vorzufinden.Worin meine werte Sitznachbarin allerdings hervorragende Talente besaß, war zum Beispiel die Kunst, mir spannende Geschichten vom vergangenen Wochenende zu erzählen und es dann so aussehen zu lassen, als hätte ich schon wieder getratscht. Auch nach kreativen Kritzeleien mit Bleistift, Füller oder auch Plakatstift auf meinem Tisch oder sogar auf meinem geliebten Haupthaar, zog sie sich immer mit einem unschuldigen Grinsen aus der Affäre. Unsere Vorzeige-Blondine liebte, wie gesagt, immer schon die Genauigkeit und davon konnte man sich auch stets an ihrem Sitzplatz oder ihrem Kastenfach überzeugen, denn dort herrschte zu jeder Zeit im Schuljahr eine, für Normalsterbliche, wundersame Ordnung.Während sich Sandra über zwei abstehende Härchen am Kopf oder eine Falte in der Hose grün und blau ärgern konnte, schüttelte ich darüber nur den Kopf. Genau so ging es ihr, wenn sie zufällig wieder einmal einen Blick in meine Schultasche warf, die von purem Chaos beherrscht war.Nach langen, gemeinsam durchzechten Wochenenden erkannte man oftmals auch an Sandras kleinen Äugelchen, was uns fehlte, nämlich 10-15 Stunden Schlaf. Doch auch dieses Problem löste sie geschickt durch ein paar unauffällige Schlafeinheiten während der spannenden Schulfilme in diversen Stunden. Alles in allem kann man sagen: Sandra und ich gaben stets eine spannende Mischung ab, zogen uns immer wegen unserer Macken auf und hatten dabei einfach immer ‚a Riesen-Gaudi’!
Danke für fünf Jahre Vorbildwirkung, Sandra. Leider, leider hat auch deine Erziehung bei mir versagt
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geschrieben von Karin B.